disulfiram

Leben ohne Alkohol

Alkoholsucht und eine Verabreichung des Wirkstoffs Disulfiram wird in Deutschland NICHT mehr angewendet!
In anderen europäischen Ländern, wie beispielsweise Polen, finden diese Behandlungen jedoch statt, bei denen in der Regel Suchtkranke ein Dauerimplantat erhalten.

Diese Informationen geben Ihnen einen Überblick über den Wirkstoff und den möglichen Ablauf einer Therapie mit Disulfiram:

ALKOHOLSUCHT UND DISULFIRAM. GESCHICHTE

Alkoholsucht gilt als schwer therapierbar. Nur 6 bis 20 Prozent der Abhängigen sind Schätzungen zufolge zwei Jahre nach einer Therapie noch abstinent. Das Disulfiram Behandlungskonzept erreicht dagegen einigen Studien zufolge auch noch sieben Jahre nach Therapieende eine Abstinenzrate von über 50 Prozent.

Disulfiram ist in vielen Ländern weit verbreitet, besonders in GUS‐Ländern, Amerika, Großbritannien und Frankreich. Viele sowjetische Wissenschaftler, bekannte Sänger und ranghohe Militärs ließen sich noch in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts Disulfiram implantieren.

In den USA wurde Disulfiram in den 50er Jahren zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit eingeführt. Seit dem 19. Jahrhundert war die Substanz zur Beschleunigung der Produktion von Kautschuk eingesetzt worden. Noch 1937 wurde festgestellt, dass Arbeiter, die Disulfiram ausgesetzt waren, nach Alkoholgenuss unangenehme körperliche Symptome aufwiesen und viele sich in der Folge entschlossen, ganz abstinent zu bleiben.

WIRKUNG VON DISULFIRAM. IMPLANTIERUNG

Disulfiram, bekannt auch als Antabuse, blockiert die Oxidation von Spiritus. Während des Spiritusmetabolismus nach Disulfiram Einlass, kann die Konzentration des Acetaldehyds im Blut 5 bis 10 mal höher sein, als während des Metabolismus der gleichen Menge vom Alkohol allein. Der nach Alkoholgenuss steigende Azetaldehydspiegel ruft eine Unverträglichkeit mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Tachykardie, Atmungsschwierigkeit, Blutdruckabfall und Schwindel hervor, die Entwöhnungswillige vom Trinken abhalten.

Langfristige Einnahme von Disulfiram ist praktisch unmöglich ‐ in den meisten Fällen verzichtet man in der Remissionsperiode auf die tägliche Einnahme. Aus diesem Grund lag die Entwicklung von Disulfiram Implantaten nahe.

Dabei werden 10 Disulfiram‐Implantationstabletten zu 100 mg unter die Bauchhaut eingepflanzt. Die Wirkung dieser Dosis soll bis einem Jahr vorhalten. Vergleicht man Disulfiram mit den anderen Wirkstoffen zur Behandlung von Alkoholismus, und zwar mit Naltrexon und Acamprosat, und hat man besonders die Behandlungskosten im Hinterkopf, sieht man deutlich, dass Disulfiram trotz seines „fortgeschrittenen Alters“ in vielen Fällen praktisch alternativlos ist.

DISULFIRAM IN DEUTSCHLAND

Disulfiram (Bis‐N,N‐diethyldithiocarbamoyl‐disulfid) ist seit über 50 Jahren in Deutschland zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit zugelassen. 2005 wurden 1,1 Mio. Tagesdosen von Ärzten verordnet.

In vielen in Deutschland durchgeführten Studien wurden mehrere Alkoholabhängige untersucht und einer Disulfiram Behandlung unterzogen. In einer Studie an der Uniklinik Heidelberg hatten viele eine signifikant längere Abhängigkeitsdauer, tranken vor Therapiebeginn größere Menge Alkohol pro Tag und hatten zum Behandlungsbeginn bereits viele gescheiterte Alkoholentzugsbehandlungen, Langzeittherapien und rückfallprophylaktische Therapien absolviert. Disulfiram zeigte dabei einen guten Therapieverlauf und Wirksamkeit.

In den letzten 10 Jahren scheint in den Fachkreisen ein erneutes Interesse an Disulfiram aufgekommen zu sein. Dies ist wohl auch auf eine zunehmende Zahl von publizierten positiven Behandlungsergebnissen im Rahmen multimodaler Behandlungsprogramme mit Disulfiram zurückzuführen.

Leider wurde im März 2011 die Löschung der Arzneimittel‐Zulassung des Präparates Antabus (Disulfiram) durch die Firma Nycomed Deutschland GmbH in 78467 Konstanz zu Ende April 2011 bekanntgegeben. Diese Löschung erfolgte in Absprache mit dem BfArM und nach Angabe von Nycomed nicht aus klinischen oder pharmakologischen Gründen, sondern aufgrund technologischer Schwierigkeiten bei der Herstellung der Dispergetten.

Daher werden keine Disulfiram Implantierungen in Deutschland mehr durchgeführt.

RESÜMEE

Als Resümee lässt sich für die Praxis folgendes formulieren: Mit Disulfiram steht ein wirksames und zugleich gut verträgliches Medikament für die Behandlung der Alkoholabhängigkeit zur Verfügung, welches sowohl in Studien, als auch in vorhandener Literatur der Behandlung mit Acamprosat und anderen Medikamenten überlegen ist.

Hier sind einige nützliche Fakten über Medikamente und die Operationsmethode

Das Aversivum Disulfiram (bekannt auch als Antabuse) blockiert die Oxidation von Spiritus am Acetaldehydstadium. Disulfiram verursacht folgenden Effekt: sobald Alkohol, sogar in geringen Dosen eingenommen wird, entsteht eine starke und sehr unangenehme Alkoholunverträglichkeit, die für eine sehr starke Abneigung gegen Alkohol sorgt.

Die Merkmale der Disulfiram‐Ethanol‐Reaktion (beim Alkoholkonsum) sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Unwohlsein, Atmungsschwierigkeiten, Herzklopfen und Erbrechen, Hypotonie und Tachykardie sind ebenfalls Auswirkungen. Bei einer starken Reaktion kann es zu einer akuten Stauungsinsuffizienz, Bewusstlosigkeit und Krämpfen kommen; Todesfälle sind in sehr seltenen Ausnahmefällen aufgetreten!

Nebenwirkungen von Disulfiram können auch ohne die Einnahme von Alkohol, in Folge der Behandlung auftreten. Schwerwiegende Nebenwirkungen, wie z.B. periphere Neuritis, Krampfanfälle oder Psychosen sind sehr selten. Häufiger auftretende Nebenwirkungen sind Benommenheit, Übelkeit und Appetitlosigkeit, Depressionen und Kopfschmerzen. Benommenheit kann durch die Einnahme des Medikamentes während der Schlafphase auftreten.

Eine langfristige orale Verabreichung von Disulfiram, also über den Magen‐Darm‐Trakt, ist nicht möglich.
Patienten, denen Disulfiram verschrieben worden ist, verzichten in der Remissionsperiode auf deren tägliche Einnahme. Disulfiram stellt aber auch eine sinnvolle Ergänzung zu einer etwaigen Therapie dar, besonders in den frühen Phasen der Abstinenz.

Ein alternatives Verfahren stellt die Verabreichung in Form der subkutanen Implantation von sterilen Pellets von Disulfiram. Das Verfahren wird heute in Polen und in einigen Ländern der ehemaligen Sowjetunion erfolgreich angewandt.

Die implantierte Substanz gibt den Wirkstoff langsam und gleichbleibend in die Blutbahn ab, um eine permanente Wirkstoffkonzentration im Blut während 9 bis 12 Monate aufrechtzuhalten. Eingeführt löst sich Disulfiram langsam im Blut auf und sichert eine ausreichende Konzentration von Disulfiram im Körper während der folgenden 9‐12 Monate. Einigen Studien zufolge schlägt die Behandlung mit Disulfiram bei etwa 5 bis 7% der Patienten nicht an, bei jedoch 93 bis 95 Prozent lassen sich mit der Behandlung sehr gute Erfolge erzielen.

Das Implantat besteht aus zehn 100 mg Disulfiram Tabletten, bedeckt mit einem speziellen Umschlag und versiegelt in einem Fläschchen. Mit regionaler Infiltration durch ein Lokalanästhetikum (Lidocain in der Regel) werden 10 Pellets in die Bauchdecke implantiert. Dabei erfolgt ein Schnitt von 10 bis 15 mm in der linken Fossa iliaca bis zum subkutanen Fett, die Pellets werden in vier radialen Richtungen in einem Abstand von 10 cm eingesetzt. Abschließend erfolgt das Vernähen der Stelle, an der das Implantat platziert wurde. Dabei wird ein Naht‐Material verwendet, das sich selbst auflöst, so dass ein weiterer Gang zu einem Chirurgen entfällt.

Die häufigsten Komplikationen, wie bei jedem interventionellen Verfahren, könnten lokale Schwellung / Rötung und / oder Schmerzen, lokale subkutane Blutergüsse, mäßige Schwellung und Beschwerden an der operierten Stelle sein. Diese Reaktionen lassen in der Regel aber nach ein bis zwei Wochen nach.

Wundinfektion, sowie einzelne nicht‐allergische Intoleranz (Überempfindlichkeit gegenüber) Disulfiram und Extrusion der Pellets. Kontaktieren Sie Ihren Arzt, wenn Schwellung und Rötung im Laufe der Zeit auftreten und dauerhaft bleiben oder es zu einer fiebrigen Reaktion kommt.

Nach dem Eingriff kann es notwendig sein, dass für einige Tage Disulfiram oral verabreicht wird. Diese Einnahme erfolgt solange bis sich das Implantat den Wirkstoff freisetzt. Antibiotika wird verabreicht, um Infektionen zu verhindern (5 bis 7 Tage), Antihistaminika, um Entzündungsreaktionen zu reduzieren (5 bis 7 Tage) und Analgetika, um eventuelle Schmerzen zu kontrollieren.

Bitte denken Sie daran: kein Alkohol nach der Disulfiram Implantation. Besondere Vorsicht in Bezug auf alkoholhaltige Medikamente, Salben, Tinkturen, usw. Denken Sie daran: alkoholfreies Bier kann 0,4 ‐ 0,5 Vol‐% Alkohol enthalten!

Bitte informieren Sie Ihren Arzt, dass Sie ein Disulfiram Implantat haben, wenn Sie folgende Medikamente verabreicht bekommen:
Phenytoin (Dilantin, Antiepileptikum wird in der Behandlung der Trigeminusneuralgie sowie bei bestimmten Herzrhythmusstörungen). Unerwünschte Effekte sind ein erheblicher Anstieg der Phenytoin‐Konzentration.
Isoniazid (Laniazid, Nydrazid, eine organische Verbindung, die die First‐Line‐Medikamente gegen Tuberkulose in Prävention und Behandlung ist). Beeinträchtigungen in Bewegung und Verhalten können beobachtet werden.
Metronidazol (Flagyl, antibiotische Medikation insbesondere für anaerobe Bakterien und Protozoen verwendet). Psychiatrische Erkrankungen und Bewusstseinsstörungen konnten in seltenen Fällen beobachtet werden.
Warfarin (Coumadin, Jantoven, Marevan, Lawarin, Waran) und anderen oralen Antikoagulanzien. Häufigere Prothrombinzeit und INR‐Kontrolle ist notwendig, um das Risiko von Blutungen zu vermeiden.